Leitsysteme
Teil von Was sind Leitsysteme und wie funktionieren sie
Leitsysteme: Kosten und Förderung für Kommunen
Leitsysteme Kosten: Was Kommunen in Euro für Beschilderung zahlen, welche Summen KfW 208, Städtebauförderung und EFRE übernehmen, plus Beispielrechnung.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Kosten je Gebäude: 12.000 bis 600.000 Euro brutto, je nach Nutzfläche und Schilderzahl.
- Förderfähig sind meist Schilder, Planung und Montage, nicht jede digitale Stele.
- Tragende Programme: KfW-Programm 208, Städtebauförderung, KInvFöG, EFRE.
- Die Bewilligung muss vor der Auftragserteilung vorliegen.
- Taktile Schilder nach DIN 18040-1 und DIN 32986 erhöhen den Stückpreis.
Kosten nach Gebäudegröße
Als Faustregel gilt ein Schild je 15 bis 25 Quadratmeter Nutzfläche. Die Tabelle nennt Marktpreise inklusive 19 Prozent Umsatzsteuer, wie sie Angebote für kommunale Bauvorhaben üblicherweise ausweisen.
| Nutzfläche | Schilder | Kosten brutto inkl. 19 % Umsatzsteuer |
|---|---|---|
| bis 1.500 m² | 80 bis 150 | 12.000 bis 30.000 Euro |
| 1.500 bis 5.000 m² | 150 bis 400 | 30.000 bis 80.000 Euro |
| 5.000 bis 15.000 m² | 400 bis 900 | 80.000 bis 250.000 Euro |
| über 15.000 m² | ab 900 | 250.000 bis 600.000 Euro |
Die Werte gelten für Bestandsgebäude mit durchschnittlicher Ausstattung. Denkmalschutz, Sichtbeton und Brandschutzauflagen erhöhen die Montagekosten. Bei mehreren Standorten sinken die Stückkosten, weil Planung und Schilderfamilie nur einmal entwickelt werden.
Einzelpositionen und Folgekosten
Die Beschaffungssumme verteilt sich auf Schilder, Montage und Planung. Bei großen Liegenschaften kommen digitale Stelen und Wegeleitserver hinzu.
| Position | Preisspanne brutto |
|---|---|
| Türschild, Aluminium, taktil mit Braille | 60 bis 180 Euro |
| Wandschild mit Wechselplatte | 150 bis 400 Euro |
| Stele im Außenbereich | 2.500 bis 9.000 Euro |
| Beschilderungskonzept und Planung | 10 bis 15 Prozent der Beschaffungssumme |
| Montage | 20 bis 35 Prozent der Schilderkosten |
Taktile Türschilder liefern Schilderhersteller und Beschriftungsbetriebe auf Basis von Aluminium-Verbundplatten. Reflex- und Klebefolien kommen in Deutschland unter anderem von ORAFOL aus Oranienburg (ORACAL) und von 3M (Scotchlite). Sicherheitskennzeichnung muss den Anforderungen der BAuA an Sicherheitskennzeichnung in Arbeitsstätten entsprechen und folgt DIN EN ISO 7010 sowie ASR A1.3.
Laufende Kosten entstehen für Reinigung, Austausch beschädigter Schilder und die Aktualisierung von Wechselplatten. Dafür kalkulieren Kommunen 3 bis 6 Prozent des Anlagenwerts je Jahr.
Beispielrechnung: Rathaus mit 4.000 Quadratmetern
Angenommen werden 320 Schilder zu durchschnittlich 120 Euro brutto. Die Rechnung ist ein Beispiel, keine Zusage eines Anbieters.
- Schilder: 320 mal 120 Euro = 38.400 Euro
- Montage, 25 Prozent der Schilderkosten: 9.600 Euro
- Planung, 12 Prozent: 4.608 Euro
- Zwei Stelen zu je 6.000 Euro: 12.000 Euro
- Summe brutto: 64.608 Euro
Bei einer Förderquote von 40 Prozent auf zuwendungsfähige Kosten von 52.608 Euro ergibt sich ein Zuschuss von rund 21.000 Euro. Der Eigenanteil liegt bei etwa 43.600 Euro, die Wartung bei rund 2.600 Euro brutto je Jahr.
Förderprogramme von Bund und Ländern
Die KfW finanziert kommunale Infrastruktur über zinsgünstige Kredite. Das Programm 208 Investitionskredit Kommunen trägt Investitionen in Beschilderung und Wegeleitsysteme mit, sofern das Vorhaben vor der Antragstellung beginnt. Konditionen, Zinssätze und Laufzeiten nennt die Fördersuche der KfW für öffentliche Einrichtungen.
Die Städtebauförderung trägt Leitsysteme mit, wenn sie Teil der Aufwertung öffentlicher Räume sind. Drei Programme kommen dafür in Frage: Lebendige Zentren, Sozialer Zusammenhalt und Wachstum und nachhaltige Erneuerung. Die Mittel laufen über die Länder.
Aus Kapitel 1 des Kommunalinvestitionsförderungsgesetzes (KInvFöG) standen 3,5 Milliarden Euro für finanzschwache Kommunen bereit, auch für barrierefreie Umbauten. Hinzu kommen die EFRE-Programme der Länder, die der Europäische Fonds für regionale Entwicklung finanziert.
Welche Richtlinie für Ihr Bundesland gilt, filtert die Förderdatenbank des Bundes nach Fördergeber, Förderart und Bundesland. Fast überall gilt: Antrag vor Vorhabenbeginn, Vorfinanzierung bis zum Bewilligungsbescheid, keine Doppelförderung derselben Kostenposition.
Antrag und Vergabe
- Nutzflächen und Publikumsbereiche erfassen, Schilderzahl schätzen.
- Zuwendungsfähige Kosten trennen: Schilder, Planung, Montage.
- Programm prüfen, Bundesland und Förderart eingrenzen.
- Antrag vor der Vergabe stellen, Bewilligung abwarten.
- Vergabe dokumentieren, Verwendungsnachweis einreichen.
Die Vergabe läuft bei Kommunen nach UVgO oder VOB/A. Bei Lieferung und Montage aus einer Hand hilft ein Leistungsverzeichnis mit Stückzahlen je Schildtyp.
Häufige Fragen
Welche Förderquote ist realistisch?
Zuschussquoten liegen je nach Programm zwischen 30 und 60 Prozent der zuwendungsfähigen Kosten. Finanzschwache Kommunen erhalten häufig höhere Anteile. Verbindlich ist die jeweilige Richtlinie.
Sind digitale Wegeleitsysteme förderfähig?
Teilweise. Reine Anzeigetechnik wird selten bezuschusst. Fällt sie unter Barrierefreiheit, Besucherlenkung oder Energieeffizienz, steigen die Chancen.
Wie hoch ist der Umsatzsteueranteil?
Auf Lieferung und Montage fallen 19 Prozent Umsatzsteuer an. Kommunen können die Vorsteuer nur bei unternehmerischer Tätigkeit abziehen. Für die Budgetplanung sind deshalb Bruttobeträge maßgeblich.
Wann muss der Antrag gestellt werden?
Vor dem Beginn des Vorhabens. Als Beginn gilt die Auftragserteilung oder der Vertragsabschluss. Nachträglich gestellte Anträge werden abgelehnt.